Entscheidung in Deutschland
Orig. Titel: Decision in Germany ()Doubleday & Company, Inc, 1950, Garden City, New York
523 S. mit Fototafeln. Kartenskizzen im Vorsatz. Orig.-Leinen. Ausgabe o.J. (nach 1950), Verlag der Frankfurter Hefte, Frankfurt am Main
General Lucius D. Clay
...Foto Lucius D. Clay......, ......, ....
BERLIN 4 Sektoren
Grafik W. Giske, Verlag der Frankfurter HefteDiese Darstellun, veröffentlicht 1950, zeigt die drei westlichen Sektoren von einer Mauer abgesperrt. Demzuzfolge muss General Clay schon damals gewußt haben, dass die Sowjets Nerlin (West) durch massive Sperranlagen abzuriegeln beabsichtigen.
Leseprobe [I]
Nach langen, fruchtlosen Diskussionen auf zwei weiteren Sitzungen war es klar,
daß Molotow nicht daran dachte, Sondervertreter zur Behandlung dieser oder irgendwelcher
anderer Deutschland betreffender Fragen zu ernennen.
Der Rat vertagte sich am 16. Mai, das deutsche Problem wurde auf die Tagesordnung der Juni-Sitzung gesetzt.
Zwar war bei den Besprechungen über Deutschland nichts Greifbares herausgekommen,
dennoch hatten sie sich als wertvoll erwiesen, weil sie zeigten, weshalb es in Berlin so schwer gewesen war,
zu einer Einigung darüber zu kommen, wie das Potsdamer Abkommen auszuführen sei.
Meine Teilnahme an der Konferenz hatte mir Gelegenheit gegeben, Byrnes zu erklären,
welche wirtschaftlichen Folgen sich aus der Aufteilung Deutschlands in vier unabhängig
voneinander verwaltete Gebiete bereits ergaben;
ich hatte diese Folgen auch mit Conally und Vandenberg besprechen können.
Als Molotow die Westmächte beschuldigte, sie fährten die
Entwaffnung Deutschlands nicht durch, telegraphierte Byrnes an McNarney,
er solle im Alliierten Kontrollrat den Vorschlag einbringen,
alle vier Zonen zu besichtigen und die Tatsachen festzustellen.
McNarney tat dies; sein Vorschlag wurde dem Koordinierungs-Komitee überwiesen,
das sich bereits seit einiger Zeit darum bemühte, eine solche Besichtigung vorzubereiten.
Wieder forderten wir, daß die Besichtigung, wenn sie einen Zweck haben sollte,
alle Stufen der Abrüstung einschlie&lich der Nutzung der deutschen Industrie
für die Kriegsproduktion umfassen müsse.
Die sowjetischen Vertreter wollten sich nur zu einer Besichtigung verstehen,
die untersuchen sollte, ob es in Deutschland noch irgend¬welche geschlossene Truppenteile
unter eigenen Offizieren gebe. Auf der Sitzung am 23. Mai
griff ich die sowjetische Beschuldigung auf, es gebe noch deutsche Truppenverbände in unserer Zone:
„In der amerikanischen Zone gibt es nichts zu verbergen.
Den Vertretern aller anderen Zonen ist der Zugang bemerkenswert großzügig gestattet worden.
Nicht in allen anderen Zonen ist man genauso verfahren ... Die Weigerung der Sowjetregierung,
die Produktion überprüfen zu lassen, verhindert einen gründlichen Überblick
über die Abrüstung ... Eine Teilprüfung würde nutzlos sein.”
Unser Versuch, eine Abrüstungskommission zu bilden, die Zugang nach Ostdeutschland erhielte,
erwies sich als aussichtslos. Der Eiserne Vorhang wurde heruntergelassen,
Zentimeter um Zentimeter, Tag um Tag.
Die nächste Sitzung der Außenminister begann am 15. Juni in Paris.
Die amerikanische Delegation stand erneut unter der Leitung von Byrnes,
und wieder waren Conally und Vandenberg dabei.
Auf dieser Sitzung wurde das deutsche Problem nur kurz erörtert,
aber es war gleichwohl die wichtigste internationale Besprechung über Deutschland
seit der Potsdamer Konferenz.
Quelle: Entscheidung in Deutschland, Seite 147/8.
Leseprobe [II]
Wir hatten sofort, als die Blockade begann, zwei neue Rollbahnen gebaut, die eine in Tempelhof, die andere in Gatow im britischen Sektor. Im September entschieden wir, daß ein weiterer Flugplatz, modern und gut ausgerüstet, gebraucht würde, und wir bestimmten dafür ein Gebiet in Tegel im französischen Sektor. Meine Konstrukteure meldeten, der neue Platz werde im März fertig sein; ich fand es notwendig, ihnen zu sagen, daß er im Dezember fertig sein mußte. 1943 war ich auf einer Inspektionsreise in China gewesen, um über die Bezahlung von Konstruktionskosten für Flugplätze zu verhandeln, die dort angelegt worden waren und bei der Bombardierung Japans benutzt werden sollten. Ich hatte gesehen, welche Arbeitsleistung mit der Hand vollbracht werden kann; ich wußte, daß in Berlin Arbeitskräfte verfügbar waren, und zweifelte nicht, daß sie unserem Ruf folgen würden. Zwar setzten wir unsere großten Armeetransportflugzeuge ein, um unentbehrliche Bauwerkzeuge, zum Beispiel Steinzertrümmerungs- maschinen, hereinzuholen, die fur den Flug zerlegt und nach der Ankunft in Berlin wieder zusammengeschweißt wurden; aber der Flugplatz Tegel wurde hauptsächlich in Handarbeit gebaut, die täglich von ... Seite 423
